Der Weg aus Deutschland
in die NFL
Sechs Karrierewege, echte Erfolgsgeschichten und alle Organisationen die du kennen musst – der vollständige Guide für deutsche Football-Talente.
Noch vor zehn Jahren galt es als nahezu unmöglich: Ein Spieler aus der GFL, dem deutschen Spielfeld, der es bis in die beste Football-Liga der Welt schafft. Heute ist das Realität – und der Weg dorthin ist klarer denn je. Moritz Böhringer, Jakob Johnson, Leander Wiegand: Sie alle haben bewiesen, dass die NFL auch für deutsche Talente erreichbar ist. Hier sind die sechs Wege, die dorthin führen.
International Player Pathway Programme
Das NFL International Player Pathway Programme (IPP) ist seit 2017 der direkteste Weg vom deutschen Spielfeld in die NFL (offizielle NFL-Seite). Die NFL identifiziert internationale Talente – hauptsächlich aus der GFL und der ELF – und lädt sie zu einem intensiven 10-wöchigen Trainingsprogramm an der IMG Academy in Bradenton, Florida ein, jeweils ab Januar.
Im Anschluss nehmen die IPP-Teilnehmer üblicherweise an einem Pro Day teil, bei dem sie sich vor Scouts aller 32 NFL-Teams präsentieren. Dann gibt es – je nach Spieler – drei mögliche Ausgänge:
Option A
Practice Squad
Reservierter 17. Platz im Practice Squad – bis zu 3× pro Saison ins Active Roster hochstufen möglich.
Option B
Direktvertrag
NFL-Team verpflichtet den Spieler direkt als Undrafted Free Agent – wie z. B. Lenny Krieg bei den Atlanta Falcons.
Option C
NFL Draft
Spieler erklärt sich Draft-eligible und wird vor dem Draft gepickt – wie Felix Lepper im Jahr 2026.
Grundvoraussetzung: Du warst noch nicht in einer nordamerikanischen Profiliga (NFL, CFL) unter Vertrag und bist mindestens drei Jahre nach deinem Highschool-Abschluss – oder einem vergleichbaren Abschluss.
Deutsche IPP-Erfolgsgeschichten
- Jakob Johnson — IPP 2019, New England Patriots. Erster IPP-Spieler mit NFL-Touchdown (2020 vs. Seattle Seahawks). Später Las Vegas Raiders.
- Leander Wiegand — IPP 2025, 38 Bench-Press-Wiederholungen (5 mehr als der Combine-Rekord), signiert bei den New York Jets.
- Lenny Krieg — IPP-Absolvent, direkt als UDFA von den Atlanta Falcons verpflichtet.
- David Bada — IPP 2019, Washington Commanders, später Detroit Lions (2024).
- Felix Lepper — IPP 2026, erklärt sich für den NFL Draft eligible.
High School in den USA → NCAA → NFL Draft
Wer als Teenager in die USA zieht und dort High School Football spielt, folgt exakt dem gleichen Weg wie amerikanische Spieler: vier Jahre High School, ein NCAA Division I Scholarship, vier Jahre College Football – und danach der NFL Draft. Der schwierigste Weg, aber der mit dem höchsten Ceiling.
Das bekannteste deutsche Beispiel: Amon-Ra St. Brown. Seine Mutter Miriam kommt aus Leverkusen. Aufgewachsen in Californien, USC Trojans, 2021 im 4. Round gedraftet von den Detroit Lions. Heute einer der besten Wide Receiver der NFL: Pro Bowler, First-Team All-Pro 2023, 1.515 Receiving Yards in einer Saison.
Auch Brandon Coleman (OG, TCU Horned Frogs) ist in Deutschland aufgewachsen – und hat den Weg über US High School und NCAA zu einem D1-Scholarship gemeistert. Im Footballschland Podcast erzählt er gemeinsam mit seiner Mutter Sabine, wie dieser Weg für eine deutsch-amerikanische Familie funktioniert.
Wie viele schaffen jede Stufe? (US-weite Statistiken)
Quelle: NCAA Research (US-Daten). Für deutsche Spieler ist jede Hürde nochmals schwieriger – diese Zahlen zeigen, wie kompetitiv das System insgesamt ist.
Prep School / Junior College → NCAA → Draft
Nicht jeder Spieler schafft den Direktsprung von der GFL in ein D1-College. Hier kommen zwei Zwischenstationen ins Spiel, die in den USA fest etabliert sind – und für deutsche Spieler zunehmend relevant werden.
Prep School
1 Jahr · keine Eligibility verbraucht
Ein privates Vorbereitungsjahr in den USA. Der Spieler trainiert, dreht Highlight-Tape und präsentiert sich College-Scouts – ohne Eligibility zu verbrauchen. Danach Transfer an ein D1-Programm.
Bekannte Prep Schools: IMG Academy (FL), Fork Union Military Academy (VA), Milford Academy (NY)
Junior College (JUCO)
2 Jahre · echter Spielbetrieb
Zweijähriges Community College mit echter NCAA-Eligibility. Spieler entwickeln sich im echten Wettbewerb und transferieren danach – oft zu Power-Five-Programmen. Ein etablierter Sprungbrett-Weg.
Eligibility-Hinweis: 2 JUCO-Jahre werden auf die 5-Jahres-Eligibility angerechnet.
Wann ist dieser Weg sinnvoll?
- → Wenn ein D1-Direktangebot ausbleibt, aber das Talent vorhanden ist
- → Wenn sprachliche oder akademische Voraussetzungen für ein US-College noch fehlen
- → Wenn der Spieler noch Entwicklungszeit braucht, um NFL-Draft-Radar zu erscheinen
Deutsches Beispiel: JUCO-Weg
Leo Blumentritt (Punter, aus Weichs/Bayern) entdeckte Football über YouTube, entwickelte sich in der GFL – und wechselte dann über das College of the Sequoias (JUCO, Kalifornien) zur University of Northern Colorado. Dort erzielte er 43,17 Yards Schnitt über 58 Punts – und steht 2026 als NFL-Draft-Kandidat auf dem Radar. Sein Weg zeigt, wie der JUCO-Einstieg auch ohne direkten D1-Sprung zum NFL-Traum führen kann.
NFL Academy → College-Recruiting → Draft
Die NFL Academy in Loughborough, England (in Kooperation mit dem Loughborough College und der Loughborough University) ist einer der spannendsten neuen Wege für europäische Talente. Das Programm nimmt Spieler aus ganz Europa und Afrika im Alter von 16 bis 19 Jahren auf – Vollzeitausbildung kombiniert mit professionellem Football-Training auf höchstem Niveau.
Das Ziel ist klar: College-Recruiting in die USA. Bisher haben über 40 Alumni D1-College-Scholarships erhalten; in der Saison 2025/26 spielen 27 ehemalige NFL-Academy-Spieler in Division I. Auch deutsche Spieler können sich bewerben – Anmeldephasen laufen typischerweise im Herbst. Welche deutschen Talente aktuell in der D1 spielen, zeigt unser Überblick: Deutsche Spieler in D1 2025.
Weg im Überblick
Bewerbung direkt auf der Website – Infos zu Aufnahmekriterien und Terminen im FAQ-Bereich der Akademie.
GFL/ELF → College-Recruiting → Draft
Immer mehr Power-Five-Coaches scouten aktiv in Deutschland und Europa. Mehrere spezialisierte Organisationen schaffen dabei die Brücke: Sie identifizieren Talente in der GFL und ELF, veranstalten Showcases und stellen den direkten Kontakt zu US-Colleges her.
Programme wie Michigan, Penn State, Georgia Tech und Virginia Tech haben bereits deutsche Spieler aufgenommen. In NCAA-Kreisen gilt Europa heute als "next frontier" im internationalen Recruiting – und die Zahl der deutschen D1-Spieler hat in der Saison 2025/26 erstmals die 50er-Marke überschritten (basierend auf aktuellen Roster-Daten der Colleges sowie eigenen Angaben der Spieler und Talentorganisationen wie PPI Recruits und Gridiron Imports Foundation).
Ein konkretes Beispiel: Noel Portnjagin (OL) machte den Weg von den Schwäbisch Hall Unicorns in der GFL in die NCAA D1 – zunächst zu den Florida Gators, danach über das Transfer Portal zur James Madison University (JMU) Dukes. Im Footballschland Podcast berichtet er, wie das Recruiting und der Transfer Portal-Prozess aus europäischer Sicht funktionieren.
Die wichtigsten Anlaufstellen für diesen Weg findest du im Abschnitt Organisationen & Ressourcen weiter unten.
Der Böhringer-Weg: Direkt aus Europa gedraftet
2016 schrieb Moritz Böhringer Geschichte: Als erster Europäer wurde er in den NFL Draft ausgewählt, ohne jemals College Football gespielt zu haben. Die Minnesota Vikings holten ihn in der 6. Runde (180. Pick) – direkt von den Schwäbisch Hall Unicorns aus der GFL.
Der Weg: NFL-Scouts besuchten das Combine für internationale Spieler. Böhringer überzeugte mit seiner Athletik (6'5", 240 lbs Wide Receiver), seinen 40-Yard-Dash-Werten und seinem Raw Talent. Einen direkten Recruiting-Prozess über eine US-Universität gab es nicht.
Dieser Weg ist heute seltener, weil das IPP diesen Prozess institutionalisiert hat – aber er zeigt: Wer in der GFL oder ELF außergewöhnliche Leistungen zeigt und NFL-Scouts auf sich aufmerksam macht, hat auch direkt Chancen.
Organisationen & Ressourcen
Die mit Abstand bekanntesten und erfolgreichsten Vermittler auf dem Weg in die USA sind Gridiron Imports Foundation und PPI Recruits. Gridiron Imports – gegründet von Ex-NFL-Profi Björn Werner – hat über 100 Spieler aus drei Kontinenten in US-Programme gebracht, von Prep Schools über JUCOs bis zu Power-Five-Programmen. PPI hat mit über 150 D1-Scholarships aus 20 Ländern eine ähnliche Bilanz.
Die meisten Spieler, die den Sprung ernsthaft angehen, schließen sich früher oder später einer dieser Organisationen an – sie kennen die Coaches, wissen welche Showcases zählen und navigieren den NCAA-Eligibility-Dschungel. Einige gehen den Weg aber auch auf eigene Faust: mit einem starken Highlight-Tape, einer NCSA- oder Scholarbook-Seite und direktem Kontakt zu College-Coaches. Aufwendiger – aber möglich.
Gridiron Imports Foundation
Non-ProfitGegründet von Björn Werner (Ex-NFL-1st-Round-Pick). Gemeinnützige Non-Profit-Organisation. 100+ platzierte Spieler aus 3 Kontinenten – Prep Schools, JUCOs und D1-Programme.
Bewerbungsformular auf der Website
PPI Recruits
FrankfurtGegründet von Brandon Collier (ex-US College-Spieler, wohnhaft in Deutschland). 150+ D1-Scholarships aus 20 Ländern. Jährliche Showcases in Deutschland.
Anmeldeformular für Spieler auf der Website
The Frame Academy
KölnDeutsche Akademie (Gründer: Joel Schawo) mit Fokus auf den Weg in die USA. Positionsspezifisches Training mit amerikanischen Coaches, Camps und Recruiting-Trips.
Kontaktformular auf der Website
APX Academy
EuropaweitEuropas größte American-Football-Coaching-Plattform: 600+ Lehrvideos, 50+ Coaches, und direkte Verbindungen zu 10+ US High Schools für Recruiting-Pathways.
Spielerprofil direkt auf der Website anlegen
NCSA Sports
USAGrößte US-Recruiting-Plattform für Student-Athletes. Speziell für internationale Spieler: Profil, Highlight-Video und direkter Zugang zu College-Coaches. Funktioniert auch ohne Agent.
Kostenloses Spielerprofil anlegen
Scholarbook
InternationalRecruiting-Service speziell für internationale Athleten – inkl. Visa-Abwicklung, NCAA-Eligibility-Prüfung und 4.200+ platzierten Spielern weltweit. Zwei Modelle: standard und Premier (College zahlt).
Direktanfrage auf der Website
247 American Football School
MannheimCamps und Clinics für deutsche Jugend- und High-School-Spieler, in mehreren deutschen Städten. Gut als Einstieg in systematisches Training – kein direkter Recruiting-Service.
Anmeldung direkt über die Website
Podyum Preps
FloridaRecruiting-Plattform + Showcase-Events, gegründet von Ex-D1-Athleten. Jährlicher All-American Bowl in Fort Lauderdale (80 Top-Prospects, padded). International College Placement Program – Team Germany war 2026 beim Bowl vertreten.
Spielerprofil direkt auf der Website anlegen
AVO Sports & Performance
NürnbergDual-Pathway-Academy mit Standorten in Europa und den USA. Speziell auf europäische Spieler ausgerichtet, Partnerschaften mit deutschen Clubs (u.a. Nürnberg Rams). Platzierungen in US-College-Programme.
Kontakt per Instagram DM
Wer ist Draft eligible?
In den NFL Draft eintreten darf, wer diese Voraussetzungen erfüllt:
Aktuelles Beispiel
Felix Lepper hat als IPP-Teilnehmer 2026 offiziell für den NFL Draft erklärt – ein konkretes Beispiel dafür, dass dieser Weg für internationale Spieler über das IPP möglich ist.
Häufige Fragen
Wie alt muss man sein für das IPP? +
Brauche ich einen Agenten für den Weg in die NFL? +
Was ist der Unterschied zwischen Practice Squad und Active Roster? +
Welche Position hat die besten Chancen über das IPP? +
Was ist der Unterschied zwischen Prep School und Junior College? +
Footballschland Podcast
Wir erzählen die Geschichten hinter diesen Wegen
In unserem Podcast sprechen wir mit den Spielern, Scouts und Coaches die diesen Weg kennen – aus erster Hand.