Der zweite Tag des NFL Draft 2026 hat einen deutschen Namen ganz nach oben gespült. Marlin Klein, Tight End aus Michigan, geboren in Köln, ist von den Houston Texans an Pick 59 gezogen worden. Damit ist er der höchste deutsche Tight-End-Pick aller Zeiten und der am höchsten gedraftete Deutsche seit Björn Werner 2013. Und weil das Universum manchmal Drehbücher schreibt, die kein Lektor durchgehen lassen würde, hat dieser Moment für uns bei Footballschland eine Bedeutung, die weit über einen Draftpick hinausgeht.
Rabun Gap. Wo alles anfing. Für ihn. Für uns.
Bevor Marlin Klein nach Michigan ging, bevor er beim Combine 4,61 im 40-Yard-Dash lief, bevor sein Name in einem Texans-Cap auf der Bühne aufgerufen wurde, war da eine kleine Boarding School in den Bergen Georgias: die Rabun Gap-Nacoochee School.
Genau über diese Schule sind wir damals gestolpert. Eine Idee wuchs daraus: Die Reise eines deutschen Jungen, der mit 15 in ein US-amerikanisches Internat zieht, um Football zu spielen, gehört erzählt. Auf Deutsch. Mit Tiefe. Mit Respekt.
Unser allererster Gast war Gideon Herbert, EDGE, Rabun Gap Eagles. S01E01. Nach ihm folgten viele weitere Spieler aus genau dieser Schule. Rabun Gap war für Footballschland nicht nur ein Anfang, sondern ein Türöffner in eine ganze Welt von Geschichten. Heute, Jahre später, wird einer der Schüler dieser Schule in der zweiten Runde des NFL Drafts gezogen. Wir haben Gänsehaut. Ehrlich.
Vom Kölner Jungen zum Texaner
Köln. Rabun Gap. Michigan. Houston. Vier Stationen, ein Ziel: die NFL. Erreicht.
In Ann Arbor reifte Marlin über mehrere Jahre vom Entwicklungsspieler zum Y-Tight-End mit NFL-Profil. 6 Fuß 6, dazu Athletik, die Scouts aufhorchen ließ. Dass am Ende ein Pick in den späten Fifties dabei rausspringen würde, hatten in Deutschland wenige geahnt — wir haben daran geglaubt, dass Marlin spätestens in Runde 3 vom Board geht.
Was Pick 59 historisch bedeutet
Klein reiht sich auf Platz 5 der ewigen Liste deutscher Draftpicks ein, hinter Ernie Stautner (1950), Björn Werner (2013), Markus Koch (1986) und Sebastian Vollmer (2009). Konkret heißt das:
- Höchster deutscher TE-Pick aller Zeiten
- Höchster deutscher Pick seit 17 Jahren
- Erster Deutscher in Runde 2, seit Vollmer 2009 an Pick 58 zu den Patriots ging
Der Vergleich zu Vollmer drängt sich nicht nur wegen der fast identischen Pick-Nummer auf. Beide kamen über das College in die Liga, beide sind Größenmonster mit Athletik, beide werden eine Position spielen, die im modernen NFL-Football zentraler nicht sein könnte.
Was Houston mit ihm vorhat
Die Texans haben mit C.J. Stroud einen Quarterback, der in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er Tight Ends als Waffe einsetzen kann. Marlin bringt das Profil mit, das DeMeco Ryans und sein Coaching Staff suchen: ein vielseitiger Y-TE, der inline blocken und in der Mid-Range gefährlich werden kann. Ein Selbstläufer wird die Rookie-Saison nicht. Aber die Voraussetzungen für eine echte Rolle sind da.
Ein Moment, der weiterträgt
Für die deutsche Football-Szene ist dieser Pick mehr als ein Karrierehighlight. Er ist ein Beleg dafür, dass der Weg über das US-Internatssystem und das College kein Außenseiterprojekt mehr ist, sondern ein realer Pfad in die NFL.
Wir haben in Rabun Gap angefangen, Geschichten zu sammeln, weil wir gespürt haben, dass da etwas Großes wächst. Marlin Klein ist heute der lauteste Beweis, dass es sich gelohnt hat hinzuhören.
Über 50 weitere Deutsche stehen aktuell in NCAA-Programmen. Irgendwo zwischen Texas und Pennsylvania läuft vielleicht schon der nächste, dessen Name wir uns merken sollten.
Glückwunsch, Marlin. Wir freuen uns mit dir. Houston, ihr habt einen guten bekommen.
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